Weben mit Hanf – ein paar Praxistipps

Meine Lieblingsgarne sind neben der unkomplizierten Baumwolle solche aus ursprüngliche Pflanzenfasern wie Leinen, Hanf und Brennnessel. Das Weben damit bringt einige Herausforderungen oder zumindest Unterschiede mit sich, da jede dieser drei Fasern Besonderheiten hat, die sie auszeichnen, aber auch das Weben mit ihnen verändern. Über Weben mit Leinen habe ich schon einmal geschrieben – heute geht es um Hanfgarn.

Tipps zum Weben mit Hanfgarn

Hanfgarn ist erstaunlich fest mit dicken, eher störrischen Fasern und fühlt sich teilweise fast ab wie eine grobe Kunststofffaser. Zwar kommt es auf die Feinheit der Verarbeitung an, wie stark dies hervortritt, aber es unterscheidet sich dennoch sehr deutlich z.B. von Leinen- oder Brennnesselgarn, geschweige denn Baumwolle.

Hier einige Tipps zum Bandweben mit Hanf auf dem Inkle Loom/großen Bandwebstuhl:

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Nahaufnahme der kräftigen Hanffaser. Trotz der Stärke ist das Garn reißanfällig, daher beim Aufziehen der Kette und vor allem beim Einspannen der Litzen darauf achten, dass die Kettfäden nicht zu straff gespannt sind und Spiel haben.
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Während des Webens beim Anschlag mit dem Schiffchen beachten: Nicht mit Druck „gerade runter“/keilförmig das Fach öffnen und anschlagen, sondern das Schiffchen schräger halten und auch einige Male hin und her bewegen beim Herunterziehen, damit sich das Fach groß öffnet und die Fäden gut auseinandergehen. Das verringert Reibung und schont das Material – außerdem fallen weniger Flusen und Knubbel an.
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An der Stelle, wo die Litzen die Fäden halten, entsteht viel Reibung – vor allem, wenn die Kette weitergeschoben wird. Das kostet mitunter etwas mehr Kraft, aber auch Fingerspitzengefühl. Wichtig für das Band: die sich dort ansammelnden Flusen regelmäßig absammeln.
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Hier ganz gut zu sehen unterhalb der Ebene der Litzen: die Knötchen/Knubbelig aus einzelnen Fasern, die im Laufe des Webens entstehen. Wenn man sie nicht regelmäßig absammelt, landen sie im Band und werden mit eingewebt, was das Band ungleichmäßig aussehen lassen kann.
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Beim Weben fallen verhältnismäßig viel Staub und Flusen an, da sich Faserteile lösen.
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Eine interessante Beobachtung, die auch die Eigenschaft dieses Garns verdeutlicht: Während beim Weben mit Baumwolle die Länge der Kette nach und nach schrumpft, je mehr das Band wächst, gibt es beim Weben mit Hanf nur einen sehr geringen Einsprung. Das Garn ist so gut wie kaum flexibel/dehnbar.
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Hanfgarn ist das kratzigste und festeste natürliche Garn, mit dem ich bisher gearbeitet habe. Gleichzeitig mag ich es gerade wegen seiner Ursprünglichkeit – und man bekommt es in sehr schönen Farben.
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Auch dieses Band besteht aus Hanf, jedoch in einer feineren Qualität.

Mit Hanf lassen sich sehr belastbare, feste und formstabile Bänder weben. Ich kann sie mir gut als Gurte, Seile und generell zum Befestigen aber auch Schmücken und Formgeben vorstellen. Je nach Qualität und „Kratzigkeit“ würde ich sie nur nicht zum „Auf-derHaut-Tragen“ empfehlen.

Der nächste Beitrag wird sich dann mit dem Weben mit Brennnesselgarn befassen – auch wieder eine ganz spezielle Faser 🙂

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